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  1. #161
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    Schlammschlachten - Tag 58

    Ich hab fast die ganze Nacht lang Expeditionen durchgezockt.
    Oder besser ... versucht, sie durchzuzocken!
    Denn alleine beisse ich mir am Endgegner in 90% der Fälle heillos die Zähne aus.

    Grundsätzlich bewege ich mich langsam voran, visiere so tief wie machbar in den Raum, versuche, auf grösstmögliche Distanz auszuschalten, so viel sich ausschalten lässt. Ein einziger dummer Fehler und ich werde von der Masse an Käfern überrollt.
    Es muss alles glattgehen, damit ich durchkomme, bis zum finalen Feind.
    Der mich dann ungespitzt in den Boden rammt!
    Aber auf dem Weg bin ich an den Goldkäfern vorbeigekommen und die ganze Aktion hat ihren Zweck erfüllt.

    Alle meine Waffen sind inzwischen vollständig mit hellblauen Mods bestückt. Einen Teil davon hab ich in den Expeditionen erbeutet, den Rest aus dem Reinerlös kaufen können.
    Und darüber hinaus hab ich noch mehr als 200.000 Scrips an Vermögen angesammelt.
    Ein ziemlich lukrativer Alptraum also!

    Für Runde 1 setzt mich das Game jetzt schon auf das Niveau "Tier 15" (Wieso eigentlich "Tier"? Was für "Tiere"?), was grundsätzlich zu bewältigen ist.
    Wenn man denn listenreich und tückisch vorgeht.
    Und inzwischen hab ich so meine Methode entwickelt, mit der ich meine Überlebenschancen auf ein erträgliches Niveau heben kann.

    Der Groschen fiel eigentlich in dem Augenblick, als ich nach der erfolgten Schlachtung diverser Hellbug-Krieger in so einem unterirdischen Bunkersystem eine Beutewaffe vom Boden auflas, die mir zwar schon des Öfteren untergekommen war, deren praktischen Nutzwert ich aber nie so richtig zu schätzen gelernt hatte: Ein "FRC Schlamm RL" - Raketenwerfer!

    Man kennt das ja: Diese verdammten Hellbugs schleimen einen mit diesem klebrigen Dreck voll, der sich in so unansehnlichen Kugeln an den Beinen anhaftet und den Fluchtinstinkt aushebelt. Dass ich nicht früher auf den Trichter gekommen bin, das selbe mit ihnen zu machen, liegt daran, dass ich gedanklich stets an diesen Schleim-Handgranaten hängen blieb.
    Und die kann ich in der für sie typischen steilen Flugparabel einfach nicht weit genug vorauswerfen, um ausreichend Zeit zur Insektenvertilgung zu gewinnen.
    Mit dem Raketenwerfer aber geht das, denn das Geschoss steuert ja der Gravitation zum Trotz geradlinig durch die düsteren Korridore!
    Und mit aufmontiertem Zielfernrohr kann man die Hellbugs schon auf ziemliche Distanz recht präzise aufs Korn nehmen.
    Diese Kleisterkanone also ist jetzt mein Schlüssel zum Überleben in den Dungeons.
    Denn die zugeschleimten Käfer kommen langsam genug näher, um sie mit dem Druckluftgewehr in Fetzen zu reissen, BEVOR sie mir die Schnauze einschlagen können. Ausserdem macht diese Schlammschleuder nicht wenig Schaden, sodass die Hellbug-Schützen einen Volltreffer im Regelfall nicht überstehen.

    Meine Solo-Expeditionen sind also jetzt zu wahren Schlammschlachten ausgeartet.
    Und die Hellbugs und ich hauen uns gegenseitig diese ekelhafte Blubberbrühe um die Ohren.
    Mit dem taktisch vorteilbringenden Unterschied, dass ich das bis zur nächsten Sichtkante betreiben kann, während den Hellbugs die Decke der Höhlen und Bunker eine gewisse Reichweitenbegrenzung auferlegt.
    Denn sie müssen in einer Parabel schiessen!
    Und das hat nunmal den Nachteil, dass eine Höhenbeschränkung zwangsläufig die Einsatzentfernung beschneidet.

    Gegen den Endgegner hilft mir der Trick trotzdem kaum weiter.
    Denn die Räume, in denen man ihm begegnet, sind zu klein, um diesen Distanzvorteil ausspielen zu können.
    Aber manchmal ... selten zwar, aber doch ... ergibt sich aus dem Chaos der Endgemetzel - völlig überraschend für alle Beteiligten - ein Sieg für mich.
    Tier 17 hab ich heute Nacht schon einmal erreicht.
    Bis mich der Nestfürst wieder auf 15 degradiert hat.
    Trotzdem war ich mächtig stolz auf mich.

    Man wird eben bescheidener mit zunehmendem Alter ...!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  2. #162
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    Search and Rescue - Tag 58

    Mein Ava-Girlie nähert sich EGO-Level 4000 unaufhaltsam an.
    Ach Gottchen!
    Sie werden ja so schnell erwachsen!
    Entsprechend geht es schon satt zur Sache in meiner unmittelbaren Gefechtsumgebung.
    Was naturgemäss ein fatales Bedrohungsszenario für Low-Levels mit sich bringt, die den Fehler machen, sich an meiner Seite in die Schlacht stürzen zu wollen.
    Aber ganz unter uns alten Hasen ... Wer rechnet um halb vier Uhr früh damit, dass sich im tiefsten Süden der Terraforming-Wüste ein kleines Level-270-Mädchen hinter meinem Rücken in eine abgeschmierte Gulanier-Arche pirscht?
    In ihrem Alter hab ich mich noch gar nicht in die Regionen südlich von Top Notch getraut.
    Diese Jugend heutzutage!
    Und ausserdem, Kindchen!
    Hast Du schonmal auf die Uhr geguckt?
    In vier Stunden fängt doch die Schule wieder an, oder nicht!?

    Da ich den Archenbruch selber vom Himmel geholt hatte, machte sich in mir schlagartig ein bedrückendes Verantwortungsgefühl breit, sobald ich ihre bemitleidenswerte Existenz zur Kenntis genommen hatte.
    Hätte ich doch bloss nicht, dann wäre sie auch nicht und könnte vielleicht Level 300 noch erleben!
    So aber fühlte ich mich irgendwie moralisch verpflichtet, das arme Ding unter meine ausgebreiteten Fittiche zu nehmen, um ihr zumindest das Allerschlimmste zu ersparen!
    Allein ... sie zeigte keinerlei Bestreben, sich bemuttern zu lassen.
    Der vorpubertäre Rotzlöffel warf sich stattdessen mit einem todesverachtenden Fatalismus ins Geschehen, der mir die eiskalte Schockblässe ins Gesicht trieb.

    Kaum war die Tür zum runden Hauptraum geöffnet, stürmte sie ihrem sicheren Verderben entgegen, als gäbe es kein Morgen mehr. Und als die Schlacht entbrannte, pfefferte sie mit einer unterdimensionierten VBI-Maschinenpistole um sich, als wäre sie unverwundbar und unsterblich.

    Von Panik ergriffen stürmte ich ganz entgegen meiner bewährten und taktisch ausgereiften Methodik los, um mich so schnell wie machbar an ihre Seite zu schlagen. Aber das Trommelfeuer, dem mich diese undurchdachte Handlung aussetzte, nahm mir so schnell Sicht und Orientierung, dass ich bis über beide Ohren im kompletten Chaos versumpfte.

    Es nahm eine qualvoll lange Zeitdauer in Anspruch, mich zu dem inzwischen reglos verharrenden violetten Pünktchen auf der Minimap durchzukämpfen. Daran, den Gulanier ins Visier zu nehmen, war angesichts der dramatischen Umstände gar nicht erst zu denken.
    Stattdessen hastete ich wild um mich schiessend quer durch das Gemetzel zu ihrem flackernden Kadaver, um sie wieder in die Vertikale zu befördern.
    Kaum aber war es mir gelungen, sie wieder ins Reich der Lebenden zurückzuholen, setzte sie zum Sturmangriff auf den Hauptgegner an und entschwand im Lichtzucken der Explosionen und Schüsse ringsum.
    Erneut meuchelte ich mit selbstloser Entschlossenheit alle Hindernisse zwischen uns dahin, während ich hilflos mitansehen musste, wie sie dem Gulanier aus nächster Nähe in der Hocke kauernd ein komplettes Magazin genau in die Eier rotzte.
    Im nächsten Moment hob mich die Druckwelle einer Detonation aus dem sicheren Stand und schleuderte mich in hohem Bogen wieder nach unten, während mein kleiner Schützling einsam und verloren auf dem erhöhten Mittelsteg des Archenraumes immer noch wie von Sinnen auf den übermächtigen Feind losging.

    Minutenlang metzelte ich mir wieder den Weg zu ihr frei, stets ein Auge auf die Minimap gerichtet, um sie in all dem Chaos auch finden zu können. Dort angekommen hockte ich nun neben ihr und schoss auf alles, was sich um uns bewegte, in der Hoffnung, genug Spielraum für die nächste Wiederbelebung herauszuschlagen.
    Kaum war mir das gelungen, sprintete sie erneut von dannen, um in ihrem jugendlichen Übermut den selben Fehler schon wieder zu begehen.

    Als schliesslich Stille einkehrte und sich der Rauch verzog, war ich völlig überrascht von der Tatsache, dass es vorbei war.
    Acht Mal hatte ich die Kleine vom kalten Archenboden gespachtelt, war ihr wieder hinterher, um ihr Deckung zu geben, wurde versprengt und abgedrängt, fahndete abermals hektisch nach ihren sterblichen Überresten und vergass in all dem Bemühen um ihr Wohlergehen völlig darauf, wozu ich eigentlich hierher gekommen war.
    Selbst den Gulanier hatte ich letztendlich nur noch umgebracht, damit er endlich damit aufhörte, das Mädel von einer Ecke in die andere zu schleudern.

    Kaum aber war ihr kleines bisschen Archenjäger-Leben erfolgreich gerettet, plünderte sie gierig die Archentruhen und entschwand durch den Teleporter wieder dorthin, wo sie vermutlich hergekommen war.

    Wieder draussen blickte ich mich in der kargen Mondlandschaft suchend um, aber sie war nicht mehr zu entdecken.
    Nichteinmal bedankt hatte sie sich.
    Wirklich, diese Jugend heutzutage!
    Keine Manieren mehr!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  3. #163
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    Meine stillen Freunde - Tag 59

    Die soziale Komponente in Defiance gehorcht sehr gewöhnungsbedürftigen Regeln.
    Lange Zeit habe ich mich in Second Life herumgetrieben, wo die Möglichkeiten zur aussagekräftigen Interaktion zwischen den Avataren schier unbegrenzt sind und bis zu ausgeprägten Intimitäten reichen. Auf tausende Arten kann man dort miteinander auch nonverbal kommunizieren, was dem virtuellen Zweitdasein eine unglaubliche Komplexität verleiht.
    Hier in Defiance ist das Zwischenmenschliche im Vergleich dazu auf die starre Hölzernheit eines Eichentisches reduziert.
    Und zu allem Überfluss ist das Chat-System wie geschaffen für gordische Kommunikationsknoten.
    Man weiss nie, ob das Gegenüber gerade jenen Chatbereich mitlesbar geschaltet hat, in dem man versucht, Kontakt aufzunehmen. Und wenn man selbst angeschrieben wird - und es zufällig sogar mitbekommt - muss man konzentriert überlegen, was genau man einschalten soll, um auch dort zu antworten, wo man angepingt wurde.
    Das geflügelte Wort vom "aneinander vorbei reden" bekommt hier eine gänzlich neue Bedeutung!

    Zudem weiss man bei fehlendem Sichtkontakt nie, ob das Gegenüber nicht gerade damit beschäftigt ist, auf Leben und Tod zu kämpfen und folglich zum Schreiben ganz einfach gar keine Zeit hat. Denn mit Aktivierung der Chat-Funktion ist ja glorreicherweise die gesamte Avatar-Steuerung ausser Betrieb genommen.
    Was es unmöglich macht, ausserhalb einer friedlichen Situation zu kommunizieren.
    Und wann ist es hier schon mal friedlich?

    Gerade Defiance wäre also enorm bereichert durch mehr Möglichkeiten der nonverbalen Ausdrucksformen.
    Aber daran hapert es so gravierend, dass man praktisch zur kompletten Ausdruckslosigkeit degradiert wurde.
    Genau genommen kann man sich abseits des schwierig anzubahnenden Schriftverkehrs in Defiance nur gegenüberstehen, zuwinken und aufeinander schiessen.
    Wobei Letzteres die handelsübliche Methode darstellt, auf sich aufmerksam zu machen.
    Oder man schiesst auf etwas, das man in die Wahrnehmung seines Gegenübers rücken möchte.
    Diese technologisch aktualisierte Neandertal-Dynamik macht es äusserst schwierig, herauszufinden, ob man beim Anderen irgendetwas Zwischenmenschliches stimuliert hat.

    Die blosse Vorstellung, die Interaktionsmöglichkeiten von Second Life mit der gnadenlosen Kleinkriegslogik von Defiance zu verknüpfen macht schon schwindelig. Denn die emotionale Komponente würde unter diesen stets adrenalingetränkten virtuellen Lebensumständen ins schier Unermessliche ausarten.
    Was verbindet schon intimer und ausgeprägter, als miteinander um Leben und Tod zu kämpfen und Seite an Seite einer heranbrandenden Flut an Feinden erfolgreich die Stirn zu bieten?
    Verbunden mit attraktiv gestalteten und aufreizend animierten Avataren, wie Second Life sie bietet, wäre man in einem regelrechten Fegefeuer der Gefühlsintensität, einem wahren Hexenkessel der emotionalen Kochkunst gelandet.

    So aber ist der Gipfel des sozialen Ausdrucks eine Freundschaftsanfrage nach gemeinsam überstandenem Schlachtengetümmel.
    Der nie wieder eine weiterführende Kontaktaufnahme folgt.
    Mehr als zwanzig stille Freunde, mit denen ich nie auch nur ein Wort gewechselt habe, führe ich inzwischen in meiner Liste.
    Und alle habe ich auf die selbe Art und Weise "kennengelernt": Wir kämpften als Verbündete gegen den Feind und als es überstanden war, schickte einer von Beiden dem Anderen eine Einladung zu.
    Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Andererseits ... vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass man die Möglichkeiten von Second Life hier nicht auch noch zur Verfügung hat.
    Ich schätze, man würde wohl jeden Tag mit einem halben Dutzend fremden Avataren in virtuellem Körperkontakt enden.
    Wobei ich mir die Details lieber gar nicht erst ausmale.

    Was könnte es auch Verbindenderes geben als eine Runde makellos ästethisch animiertem Cybersex nach einem Grossen Archenfall mit Dutzenden Toten ringsum, in dem man sich beim gegenseitigen Wiederbeleben im Kugelhagel kennen und schätzen gelernt hat!?
    Man stelle sich nur die Dramatik der Geschehnisse vor, wenn der oder die Geliebte letztendlich bei einer gemeinsamen Expedition irgendwo in einer Bunkerecke unter den wuchtigen Hieben eines Hellbug-Kriegers dahinscheidet, während man verzweifelt gegen die erdrückende Übermacht anzurennen versucht, aber kläglich scheitert bei dem Unterfangen, den geschätzten Partner vor dem Untergang zu bewahren?
    Und ernstere Beziehungskrisen könnte man dann doch recht wirkungsvoll im PvP austragen!
    Da liesse sich wahrlich am laufenden Band hollywoodreifer Dramenstoff mit voller Interaktionsbandbreite weben.

    Ach, was soll's?
    Als Zeichen meiner Wertschätzung blase ich meinen Mitspielern eben ein paar Kugeln um die Ohren.
    Hauptsache man weiss, was gemeint ist ...
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  4. #164
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    Spät, aber doch - Tag 60

    Mein Englisch ist nicht wirklich übel, von gut kann aber auch nicht unbedingt die Rede sein.
    Vor Allem bei den Vokabeln hapert es klein wenig und nicht ganz so häufig genutzte Wörter weiss ich echt nicht auswendig.
    Und so bleibt mir nur, schmählich zu gestehen, dass ich bis heute morgen gar nicht wusste, dass "Defiance" tatsächlich ein umgangssprachlicher Begriff ist.
    Ich hab es ehrlich gesagt für einen Eigennamen gehalten und mich somit vorher noch nie gefragt, ob man das Wort übersetzen kann.
    Bis ich zum Frühstückskaffee heute morgen mal Google Translate damit gefüttert habe, einfach so, weil mir gerade langweilig war. Spät, aber doch!
    Und siehe da ... es spuckt eine sinnvolle Übersetzung aus!

    Für alle, die ähnlich englisch-dummy-artig durch die Landschaft tingeln und es bisher auch nicht für nötig gehalten hatten, dem Namen des Spiels mal auf den Zahn zu fühlen: "Defiance" bedeutet "Trotz"!

    Ach, du meine Güte!
    Echt jetzt?
    Soviel Kreativität am Rande des blanken Sarkasmus hätte ich den Machern des Games gar nicht zugetraut.

    Da bleibt mir nur noch, mich schmunzelnd einzuloggen und die nächste Runde Massenmord zu zocken.
    Jetzt erst recht!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  5. #165
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    Mister X - Tag 60

    Zu absolut unchristlichen Nachtzeiten sind so wenige Spieler in Paradise unterwegs, dass es an ein Wunder grenzt, überhaupt jemandem zu begegnen. Und noch verwunderlicher ist es, wenn man mehrere Nächte hintereinander immer wieder dem selben Avatar über den Weg läuft. Zwar ist die Welt von Defiance grundsätzlich nicht übermässig gross, sodass man mit der Zeit bemerkt, dass man immer wieder mit den selben Charakteren in die grossen Schlachten zieht, aber abseits von spektakulären Archenfällen oder Volge-Schwärmen sieht man auch von diesen Leuten nicht oft jemanden.
    Umso faszinierter bin ich von dem Umstand, dass mir nun schon seit fast einer Woche immer wieder der selbe Mitspieler an allen möglichen Orten unterkommt. Und zwar grundsätzlich nur zu nachtschlafenster Stunde, zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens.
    Nennen wir ihn ganz einfach "Mister X", um die Anonymität zu gewährleisten.

    Mister X sah ich zum ersten Mal, als ich gerade in eine Hellbug-Hatz eingestiegen war. Das Game hatte uns in die selbe Expedition gesteckt, sein EGO-Level lag zu diesem Zeitpunkt nur rund 50 über meinem. Automatisch waren wir in eine Gruppe zusammengewürfelt und links oben zeigte mir der Bildschirm an, dass er Gruppenführer war. Wie das nunmal so ist, wenn man im selben Dungeon landet, kämpft man sich eben gemeinsam durch. Und zu zweit sind die Chancen gegen den Endgegner auch realistisch genug, um ihn kleinzukriegen.
    Von Tier 15 bis 18 fochten wir fast eineinhalb Stunden lang miteinander.
    Und wir waren erstaunlich effektiv.
    Beim Beute verkaufen nach der erfolgreichen Expedition warteten wir am Teleporter aufeinander, stiegen wieder ein und drehten die nächste Horrortrip-Runde gemeinsam.
    Bis wir dann an Tier 18 heillos scheiterten und sich unsere Wege wieder trennten.

    Jedoch: Die restliche Nacht blieben wir in der Gruppe vereint.
    Soll heissen: Keiner von uns beiden stieg aus.
    Erst gegen sechs Uhr morgens verschwand er.
    Ein erstaunliches Randdetail: Obwohl ich mehrmals im Gruppenchat geschrieben hatte, antwortete er nie.
    Auch nicht auf Fragen.
    Allerdings musste er meine Worte gelesen haben, denn er reagierte verzögerungsfrei auf meine Vorschläge zum taktischen Vorgehen.

    In der folgenden Nacht war ich gerade damit beschäftigt, das Umfeld eines selbstgemachten Archenbruches zu säubern, um Zutritt zum Schiff zu erhalten, als plötzlich ein anderer Spieler zu mir stiess.
    Lächelnd nahm ich zur Kenntnis, dass Mister X wieder mit mir in den Kampf gezogen war.
    Und nicht nur das: Er sandte mir auch eine Gruppeneinladung zu, die ich gerne annahm.

    Nach dem Abwickeln des Archenbruches machte ich mich zu Fuss auf den Weg Richtung Überführung, was vom tiefsten Süden San Franciscos aus ein ziemliches Stückchen war.
    Mister X folgte mir in dieser zweiten Nacht allerdings.
    Und auf der gesamten Wegstrecke trugen wir jeden Kampf, auf den wir stiessen, gemeinsam aus.
    Strassensperren, den Sutro Tower, Hellbug-Nester.
    Das zog sich ziemlich in die Länge und als wir endlich am Ziel angelangt waren, hatte sich mein Inventar mit massenhaft Beute gefüllt, die ich nun verkaufte.
    Kaum damit fertig nahm ich erstaunt zur Kenntnis, dass Mister X immer noch hier war, immer noch in der Gruppe mit mir verweilte und keine Anstalten unternahm, eigenständig weiterzuspielen.
    Abermals versuchte ich über mehrere Stunden hinweg immer wieder mit ihm in verbalen Kontakt zu treten, aber er schwieg beharrlich.
    Ein Grosser Archenfall, eine Volge-Überfallserie, die Sutro-Bäder ... bis sieben Uhr früh blieben wir Kampfgefährten und Gruppenkameraden.
    Bis er erneut wortlos verschwand.

    Seit sechs Nächten machen wir nun schon gemeinsam die Terraforming-Landschaften unsicher.
    Wir kämpfen und sterben miteinander, wir beleben uns gegenseitig wieder, wir teilen uns Munitionsspikes und Archenfälle, wir decken uns Rücken an Rücken kauernd, wenn wir eingekesselt werden, wir shoppen zusammen bei den Händlern, wir spendieren uns gegenseitig Archenbrüche, durch die wir uns Seite an Seite eine blutige Schneise schlagen, wir fahren mit den Quads zu den interessanten Ereignissen und mischen zusammen Strassensperren auf ... in Summe schon mehr als 20 Stunden haben wir miteinander verbracht.
    Freundesanfragen haben wir uns jedoch keine zugesandt.
    Wir laufen uns einfach jede Nacht meist zwischen 00:00 und 01:00 Uhr irgendwo über den Weg und bleiben dann zusammen.
    Mal lade ich ihn in eine Gruppe zu mir ein, mal ist er schneller.
    Und Mister X hüllt sich konsequent in geheimnisvolles Stillschweigen.

    Ich muss an dieser Stelle aber ein ehrliches Geständnis ablegen:
    Schon gegen halb zwölf jede Nacht werde ich ein wenig hibbelig.
    Und spätestens ab Mitternacht sprinte ich auf jeden violetten Punkt zu, den ich auf der Minimap ausmache.
    Fast immer ist er es.
    Sonst ist ja sowieso kaum jemand unterwegs.

    Ich weiss schon gar nicht mehr so richtig, was ich eine ganze Nacht lang mache sollte, wenn er mal nicht auftaucht ...
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  6. #166
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    Es ist schön, reich zu sein - Tag 60

    Seit ich mit den Expeditionen eine goldene Nase verdiene, lebt es sich viel leichter als Archenjäger.
    Vorbei die Zeiten, als ich jeden Scrip einzeln umdrehen musste, den Mods bei den Händlern nur sehnsüchtig in die Beschreibung gucken konnte oder jede Waffe, die ich nicht unbedingt benötigte, sofort verkaufen musste.
    Permanent mit einem sechsstelligen Betrag im Scrip-Zähler durch die Lande zu tigern macht alles so viel erträglicher.

    Für knappe 3000 eine Waffe zu kaufen, sie für 40 Riesen deckend hellblau zu modifizieren, zehn Minuten damit rumzuballern und dann zu dem Schluss zu kommen, dass sie mir doch nicht so zusagt, nur um sie dem nächstbesten Low-Level gratis ins Inventar zu drücken nebst einer kurzen Anleitung, wie er sie auf sein Level runterziehen kann ... herrlich ist das!
    Und man hat trotzdem noch mehr als 200.000 auf der hohen Kante.

    Reflexartig sammle ich allerdings nach jedem Gefecht trotzdem noch den gesamten herumliegenden Müll ein, um ihn zu verkaufen. Diese Masse an Kleinmist summiert sich auf Dauer auch zu erklecklichen Sümmchen!
    Aufspalten tue ich schon lange nichts mehr, denn inzwischen hat mein Arsenal an Archenverwertung die Millionengrenze fast erreicht und ich weiss echt nicht, wohin damit.
    Denn was kann man mit Archenverwertung schon tun?
    Mod-Slots an Waffen verbessern für insgesamt vielleicht 75.000?
    Bleiben immer noch 925.000 übrig.
    Und bis ich mal wieder eine Waffe zumindest testhalber aufmodifizieren will, hab ich längst schon wieder 200.000 dazubekommen.
    Wenn das so weitergeht hab ich in ein paar Monaten mehrere Millionen Einheiten an Archenverwertung.
    Und da der Krempel von selber in mein Inventar hüpft, wenn ich nur daran vorbeilaufe, lässt sich der Zufluss auch nicht stoppen.
    Da scheint mir ein gravierender Konzeptfehler im Game eingebaut zu sein.
    Oder hab ich irgendwas übersehen?
    Gibt es noch etwas im Spiel, wofür man solche astronomischen Beträge von dieser speziellen Ressource benötigen würde?

    Eine ganz andere Geschichte ist die Jagd nach Archenkraft.
    Aber auch hier habe ich inzwischen einen recht ansehnlichen Puffer von mehr als 150 Stück gehortet. Durch mein Konzept, vorwiegend weisse und grüne Waffen zu verwenden, lässt sich permanent mehr einnehmen, als ich ausgeben muss.
    Theoretisch könnte ich es mir leisten, eine orange Knarre mitzuziehen, aber ehrlich gesagt will ich das derzeit gar nicht.
    Zwar sind die Dinger wirklich spürbar effektiver, aber es besteht keine Notwendigkeit, unter Level 6k grossartige Ambitionen in das perfekte Waffenarsenal zu buttern.
    Gut genug, um zu töten und Punkte zu machen ist mein Sortiment allemal.
    Und mehr braucht es absolut nicht!
    Wenn sich später mal die Archenkraft-Ausgaben fürs Hochleveln auf exakt Null belaufen, weil ich selber nicht mehr höher leveln kann, ist immer noch genug Zeit, um die veralteten orangen Kanonen, die ich zwischenzeitlich einfach unbenutzt im Inventar belasse, schrittweise nachzuziehen.
    Falls sich dann nicht schon was Besseres gefunden hat.

    Seit ich aufgehört habe, bei Ex Inanis einzukaufen, läppert sich auch mein Gulanit-Vorrat langsam zusammen. Viel trennt mich nicht mehr von der Möglichkeit, bei diesem obskuren Py'Numbra einzukaufen, der nach jedem fünften bis zehnten Strassensperren-Kampf plötzlich aus dem Nichts hervorploppt.
    Wobei ich mir auch hier die Frage stelle, ob das unter Level 6000 überhaupt schon Sinn macht.

    Eigentlich müsste ich ausser ein paar Klümpchen Archenkraft zum Weiterleveln in den nächsten Wochen gar nichts mehr ausgeben. Ich brauche für die restlichen rund 2000 Levels nichts Anderes mehr, als das, was ich jetzt habe.
    Damit komme ich offensichtlich durch!
    Und mein Vorrat an Ressourcen aller Art kann in Ruhe weiterwachsen.

    Schön ist es, reich geworden zu sein.
    Es mordet sich wirklich sehr viel unbeschwerter mit diesem sicheren Polster unterm Arsch.
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  7. #167
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    Animositäten - Tag 61

    Es könnte gut sein, dass die Mazu-Sturmgewehre eigentlich recht gute Waffen wären.
    Das werde ich allerdings niemals herausfinden.
    Denn ich weigere mich beharrlich, sie zu verwenden.
    Und zwar nur und ausschliesslich aus einem einzigen Grund: Sie gefallen mir nicht. Rein optisch!
    Damit hat sich deren Benutzung für mich vollständig erledigt.
    Denn ich fühle mich extrem unwohl, wenn mein Avatar mit einem Gegenstand um sich ballert, dessen Anblick mehr an eine Wasserpistole vom Jahrmarktstand denn an eine Waffe erinnert.
    Das Druckluftgewehr stellt infolgedessen bereits einen haarigen Grenzfall dar.
    Nur etwas mehr Orange in seiner Farbgebung und es wäre für meine gehobenen Ansprüche definitv nicht mehr tragbar gewesen.

    Das selbe Problem der optischen Grenzwertigkeit habe ich auch mit den Massenkanonen.
    Die Dinger sehen aus, als hätte sie ein amokschraubender Mechanikerlehrling im Vollsuff aus einem Unfallwagen ausgebaut.
    Die Schwarmkanone ist vom Design her viel eher mein Fall.
    Der Nachteil ihres so viel geringeren Minimalschadens jedoch zwingt mich leider regelrecht zur Benutzung der verhassten Konkurrenzprodukte.
    Deswegen mache ich in dem einen einzigen Fall widerwillig eine Ausnahme!

    Es gibt aber mehr als genug Knarren im Spiel, die aus verschiedensten völlig irrationalen Gründen für mich überhaupt nicht in Frage kommen.
    Infektoren zum Beispiel sind so ein Fall!
    Ich benutze kein Gerät, das krabbelnde Käfer um sich schmeisst und dem Getroffenen das Aussehen eines Senfgasopfers verleiht.
    Sowas ist keine Waffe!
    Das ist ein international geächtetes Kriegsverbrechen!
    Und was die Spiker betrifft ... ein Ding, das fatal an die wirr zusammengeklebten Eingeweide eines ausgeschlachteten PCs erinnert und zudem einen flackernden, sich krümmenden Blitzstrahl in eine willkürliche Richtung entsendet soll eine Waffe darstellen?

    Eine Schusswaffe erzeugt beim Betätigen des Abzuges ein lautes Geräusch - vorzugsweise einen dumpfen Knall, aber das ist verhandelbar - und stösst aus dem vorderen, offenen Ende eines breitwandigen Rohres mindestens ein Projektil aus, das sich in möglichst gerader Flugbahn mit hoher Geschwindigkeit in die Richtung bewegt, in die besagte offene Seite gehalten wird.
    Etwas, das sich gravierend anders verhält als dieser Defintion entsprechend wird von mir nicht als Feuerwaffe anerkannt und somit nicht zum Töten benutzt.
    Punktum!
    Ja, da bin ich ein bisschen konservativ!

    Beim Inspizieren diverser 6000er, denen ich begegnet bin, musste ich zu meiner grossen Enttäuschung feststellen, dass ein beträchtlicher Teil der Jackpot-Waffen im Spiel ebenso meinen designtechnischen Ansprüchen nichteinmal ansatzweise gerecht wird.
    Das kann ja noch heiter werden, wenn ich selber auf 6k oben bin und mich für ein langfristig einsetzbares Arsenal zu entscheiden haben werde.
    Denn Eines steht schonmal fest: Eine JP, die aussieht, als stamme sie aus einem vergammelten Kaugummiautomaten am Bahnhof kommt mir garantiert nicht ins Inventar!

    Mitnichten ist es aber nur so, dass ich bestimmte Waffen aufgrund von rein optischen Aspekten kategorisch ablehne.
    Es gibt auch den umgekehrten Fall: Dass Waffen dermassen gut aussehen, dass ich sie trotz aller sonstigen Widrigkeiten dennoch benutze!
    Das Paradebeispiel dafür stellt das Volge Aufklärungssturmgewehr dar.

    Nüchtern betrachtet gibt es nahezu keine Gefechtslage, in der sich diese Kanone wirklich bewährt.
    Im Nahbereich - wie zum Beispiel im Häuserkampf - ist die Eigengefährdung durch ihre explodierenden Projektile zu gross.
    Auf grössere Distanzen aber sind die ausgestossenen Strahlen zu langsam, sodass der notwendige Vorhalt beim Feuer auf bewegliche Ziele zu schwer einzuschätzen ist.
    Ihre Kadenz, ihre Magazinkapazität und der angerichtete Schaden sind jeweils nicht hoch genug, um sie für unterdrückendes Sperrfeuer auf mittlere Entfernung effektiv benutzen zu können.
    Und trotz ihrer ziemlich ausgeprägten Präzision stellt das mangelnde Tempo der Geschosse ein Hindernis dar, das sie für den Einsatz als Explosiv-Sniperwaffe nur und ausschliesslich zur Gefechtseröffnung mittels Einzelschuss auf stillstehende Gegner geeignet macht. Sobald die Angegriffenen beginnen, hektisch durcheinanderzurennen, trifft man damit nur noch zufällig.

    Man kann es drehen und wenden, wie man will ... das Ding ist nahezu unbenutzbar!
    Aber es sieht so dermassen geil aus, dass ich nicht umhin komme, es bei jeder Gelegenheit zumindest für ein paar Schüsse zur Anwendung zu bringen.

    Tja!
    Seien wir mal ehrlich: Irgendwelche kuriosen Animositäten hat doch jeder Mensch aufzuweisen!
    Das sind eben meine!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  8. #168
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    Manna vom Himmel - Tag 61

    Die folgende Geschichte ist schon einige Wochen her und so eigenartig,... die glaubt mir eigentlich niemand.
    Aber sie ist trotzdem wahr!
    Zu dieser Zeit war ich noch so ein Noob, dass mir die wirklich einzigartige Besonderheit des Vorfalles überhaupt nicht ins Auge stach. Erst, seit ich bemerkt habe, dass sich solch ein befremdlicher Vorgang seither nie mehr wiederholt hat, bin ich ins Grübeln gekommen.
    Damals aber nahm ich dies lediglich erfreut zur Kenntnis und ordnete das Geschehen unter "bisher noch nicht entdeckte Eigenheiten des Spielablaufes" ein. Und selbstverständlich ging ich auch davon aus, dass es sich um etwas ganz Normales gehandelt haben würde, mit dessen erneutem Auftreten über kurz oder lang fix zu rechnen wäre.

    Dass es gelegentlich einfach so und ohne irgendeinen erkennbaren Grund plötzlich einen absolut willkürlichen anmutenden Scrip-Betrag in mein Inventar schneit, ist mir inzwischen geläufig.
    Man steht nichtsahnend auf einem Hügel im Sonnenschein, betrachtet die Umgebung durch das Zielfernrohr der Scharfschützenwaffe und überlegt, ob man zufällig Lust verspürt, den Volge dort unten an der Strasse ordentlich die Fresse zu polieren oder ob man nicht lieber doch einen Gulanier in den Sand der Terraforming-Wüste radieren würde, da macht es plötzlich ohne irgendeinen ersichtlichen Anlass zwei mal kurz hintereinander "Pling!" und links unten am Bildschirm wird man darauf hingewiesen, dass man soeben einmal 21 und einmal 18 Scrips aus dem Nichts erhalten hat.
    Wie eine Steuerrückzahlung vom Finanzamt vielleicht oder der Lottogewinn für den Dreier vom letzten Wochenende, der nun endlich überwiesen wurde und nichteinmal die Kosten des Spieleinsatzes abdeckt.

    Selbiges ereignet sich ohne erkennbare Systematik mit Gulanit.
    Auch davon tauchen sporadisch völlig willkürliche Summen einfach so auf und fallen mir in die virtuelle Tasche.
    Ich nehme das in Folge meiner kompletten Ratlosigkeit hinsichtlich der Ursachen dieser überraschenden Beschenkung dankbar hin und gehe zur Tagesordnung über.
    Ist eben einfach so!
    Und es gibt wirklich Schlimmeres, das ich zu erdulden habe.

    An einem ganz normalen Tag in Paradise, als ich noch etwa um EGO-Level 800 herumdümpelte, geschah allerdings das, was ich soeben beschrieben habe mit Archenkraft!
    Und zwar angesichts der sonstigen Seltenheit dieser Ressource mit einem äusserst erklecklichen Betrag: Nämlich satte 50 Stück!

    Ich befand mich gerade in der Nähe des Kinship-Plaza und hatte dort die Gefangenenbefreiung zum bestimmt bereits siebenundzwanzigsten Mal durchgezockt. Nur ein paar Meter weiter prügelte ich mich dann noch mit einem Hellbug-Monarchen, weil an dem dortigen Spawnpoint ein Auftrag der Klasse "Ein neues Paar Gene - Erledige den Monarchen" aufgetaucht war.
    Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich beim Angriff auf so eine Bestie noch um ein äusserst gewagtes Unterfangen, das ebensogut kräftig ins Auge gehen konnte. In diesem damals noch sehr seltenen Fall aber machte ich den Mistkäfer mit beinahe professioneller Leichtigkeit zu Brei und zog befriedigt von dannen, um mir die nächste sinnlose Prügelei aufzuhalsen.

    Weit war ich noch nicht gekommen und seit dem Töten des Käfers waren kaum mehr als vielleicht dreisssig Sekunden verstrichen, da plötzlich - ich befand mich gerade mitten auf der völlig leeren Strasse - ertönte eben dieses weiter oben beschriebene "Pling!" und ich wurde schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich soeben 50 Stück Archenkraft erhalten hatte.

    In diesem Stadium meiner Archenjäger-Heranreifung war ich über die praktische Nutzwirkung dieser Ressource bereits ausreichend informiert, um mir echt einen Ast abzufreuen, denn mit dieser Summe konnte ich so ziemlich alle Waffen, die im Level hinterherhinkten, problemlos nachziehen und hatte trotzdem noch einen passablen Restbetrag übrig.
    Mehr aber dachte ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht.

    Erst rund eine Woche später begann ich mich zu fragen, ob das vielleicht zufällig wieder passieren könnte, denn seither hatte es nie wieder Archenkraft vom Himmel geregnet.
    Und noch eine runde Woche später hatte ich schon damit begonnen, abergläubisch zu werden.
    Die Tatsache, dass ich kurz vor diesem unverhofften Segen einen Hellbug-Monarchen eingestampft hatte drängte sich mir als potentiell ursächlicher Grund für die erfolgte Beschenkung auf.
    Hatte es daran gelegen?

    Die Folgen dieser Überlegung sind in meinem Verhalten immer noch zu beobachten.
    Konditioniert wie der legendäre Pawlowsche Köter falle ich seit jenem Tag gnadenlos über jeden Hellbug-Monarchen her, der den Fehler macht, mir über den Weg zu laufen.
    Nach erfolgter Schlachtung verharre ich für einige Augenblicke in andächtiger Untätigkeit und warte auf das sehnlich erhoffte "Pling!".
    Doch leider ... ich habe es in diesem Kontext und mit diesem Ergebnis seither nicht mehr vernommen.

    Manchmal richte ich in solchen Momenten den Blick zum Himmel über Paradise, schicke ein Stossgebet ins Nirgendwo und hoffe auf die Gnade der KI-Götter im tiefsten Inneren des Game-Engines.
    "Herr!" denke ich dann nicht selten bei mir, "Hab Erbarmen mit Deinem untertänigen Auftragskiller! Lass es doch endlich wieder einmal Archenkraft-Manna vom Himmel regnen!"

    Der Herr aber lächelt nur wissend und lässt mich verwirrt im Wüstensand stehen.
    Archenkraft aus dem Nichts habe ich nie wieder bekommen ...

    P.S.: Empfohlener Soundtrack zum Lesen dieses Tagebucheintrages ...
    R.E.M. - Losing my Religion
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  9. #169
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    Die Rache der Hellbugs - Tag 62

    Mir ist heute was richtig Übles passiert.
    Bei einem belanglosen kleinen Archenfall ... einer Hellbug-Zerstörung.
    Und zwar so einer, wo man zwar laut Anweisung am oberen Bildschirmrand den Kristall zerstören soll, wo aber irritierenderweise gar keiner steht.
    Eigentlich ploppen bei diesen Ereignissen nur Hellbug-Jäger aus dem Boden und das im Normalfall, bis der rückwärts zählende Timer abgelaufen ist.
    Keine wirkliche Bedrohung also.
    Maschinenpistole und Schwert waren im Loadout geladen.
    Ein zweiter Spieler war ebenfalls vor Ort, der mit einer Auto-Schrotflinte schoss.

    Minutenlang metzelten wir zu zweit die kleinen Käfer dahin, als plötzlich etwa zwei Minuten vor dem Ablaufen des Timers schlagartig eine gigantische Menge an Hellbug-Kriegern und -Schützen praktisch gleichzeitig aus dem Boden sprangen.
    Ich kann keine auch nur annähernd konkrete Zahl nennen, weil binnen Sekunden das gesamte Sichtfeld voll war.
    Es müssen in Summe Dutzende gewesen sein.

    Die Krieger schlossen mich so rasch ein, dass ich weder vor noch zurück konnte.
    Die Schützen trommelten ihre Geschosse dazwischen und mein Avatar wurde deckend mit Hieben und Explosionen zugepflastert, sodass ich nach dem Entleeren des Magazins nichteinmal mehr nachladen konnte.
    Kurz nahm ich noch wahr, dass auch der zweite Spieler chancenlos überrannt wurde, dann kratzte mein virtuelles Mädel das erste Mal ab.
    Nach der Selbstwiederbelebung dauerte es keine zwanzig Sekunden bis zum zweiten Tod.
    Erst die Extraktion beendete das Desaster.

    Ich nehme nicht an, dass der andere Spieler das Ganze überstanden hat.
    Es waren einfach zu viele.
    Selbst ein 6000er hätte das nicht mehr in den Griff bekommen können.

    Das nenn ich mal eine echte Überraschung.
    Die Rache der Hellbugs hat wirklich gesessen ...
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  10. #170
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    Nope! - Tag 63

    Es gibt drei Dinge in Defiance, die ich echt nicht ausstehen kann:
    6k-ler, die mir meinen selbst vom Himmel geholten Gulanier-Archenbruch versauen.
    Leute, die nur mit der Massenkanone rumballern.
    Und Typen, die sich in einem Feuerkampf nur hüpfend bewegen.

    Natürlich ... gleich die allererste Aktion heute morgen nach dem Einloggen war ... Bingo!
    Ein 6000er, der in meinem - MEINEM! - selbstgemachten Archenbruch mit der Massenkanone wie ein tollwütiges Karniggel herumhoppelte!

    Schon als die ersten Gefechte ausserhalb des abgestürzten Schiffes begannen, tauchte er auf.
    Entsprechend wurde es gleich vor der Tür dezent hektisch für mich. Es ist doch ein grosser Unterschied, ob man jeden Mutanten oder Revenant mit einer Drei-Schuss-Salve aus den Stiefeln hacken kann oder ihm jeweils ein halbes Magazin reinpumpen muss.
    Mit hellblauem VOT Druckluftgewehr und grüner Needler-Maschinenpistole ausgerüstet hatte ich also einen Konkurrenten am Hals, der mit seiner orangen JP-Massenwumme loslegte.
    Ne, Jungchen!
    So mal bestimmt nicht!
    Herausforderung angenommen!

    Drinnen im Schiff hatte ich ein paar Sekunden Vorsprung.
    Und die wusste ich zu nutzen!
    Bis er endlich nachgekommen war, hatte ich in der ersten Kammer schon fast fertig aufgeräumt und musste nur noch einen Minigun-Schützen und das Kommunikationsmodul loswerden.
    Die zwei Minigun-Mutanten, die dann den Durchgang blockieren, gehörten auch mir. Nur bei den beiden daraus entweichenden Revenants konnte er ein paar Mal mit draufhalten.

    Nach weiss-der-Geier-wie-vielen Gulaniern hab ich den Ablauf da drin schon im kleinen Finger. Sogar eine ideale Laufroute durch die zweite Kammer habe ich schon entwickelt, bei der man auf kürzestem Weg zuerst an allen relevanten Feinden vorbeikommt, die schon da sind, als auch rechtzeitig zum Muni-Container vorstossen kann, bevor die grosse Spawn-Welle losgeht.
    Die Kommunikationsdinger nehme ich dann noch im Vorbeigehen mit.
    Um schliesslich die Tür zur Haupthalle zu öffnen muss man ja ganz nahe an eben diese ran.
    Er aber stand nur dumm da und wartete, keine fünf Meter von dem kleinen rautenförmigen Marker entfernt, dessen Erreichung die Pforte triggert.
    Na Du bist mir ja der Richtige!
    6000 Levels und dann weisst Du noch nichtmal, wie man da reinkommt?

    Die nächste Kopfschüttel-Nummer legte er dann beim Auftauchen des Gulaniers selbst hin, denn er begann sofort, auf diesen zu schiessen.
    Das war ihm also auch nicht geläufig!?
    Ich weiss inzwischen schon ganz exakt, in welcher Sekunde ich den Abzug durchziehen muss, damit die Projektile präzise in dem Augenblick im Ziel einschlagen, wo man dem Hauptgegner zum ersten Mal Schaden zufügen kann. Wenn es gut läuft, hacke ich dem Guli schon gute 10% vom Gesundheitsbalken, bevor er das erste Mal wegteleportiert.

    Wie nicht anders zu erwarten hüpfte der Knabe nur konfus durch die Halle und tackerte die Gegend so mit seinen grell leuchtenden Geschossen zu, dass er vermutlich selber nicht mehr sah, wo überhaupt ein Zielobjekt war und wo nicht. Mir fiel jedenfalls schnell auf, dass er nach dem Ausschalten eines Gegners noch immer in die Richtung ballerte, wo schon längst nichts mehr zum Abballern war.
    Ich drehte nur meine übliche Runde, pustete die erste Welle an Feinden über den Haufen, stiess dann zum Hausherren vor und gab dem mit aufgeschalteter Überladung Saures, bis die zweite Welle zu spawnen anfing.
    Schlussendlich gab ich dem Guli noch den verdienten Rest und das war's dann gewesen!
    Nicht ganz sieben Minuten!
    Das ist akzeptabel, wenn man bedenkt, dass die Ziele wesentlich mehr Munition schlucken konnten, als üblicherweise.

    Als dann beim Verlassen der Arche das Missionsfenster aufploppte, befiel ein breites Grinsen mein Gesicht:
    Mehr als 120 Abschüsse, alle 4 Stück Archenkraft und er hatte es auf gerade mal 52 Kills bringen können.

    Tja, Jungchen!
    Massenkanone und Gummiballtaktik sind eben nicht überall die passende Antwort!
    Aber wenn Du irgendwann mal kapiert hast, wie man eine Tür öffnet, fällt Dir vielleicht auch das noch auf!

    Ich seh schon!
    Heute ist ein guter Tag zum Archen jagen!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

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