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  1. #21
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    Hero of the Day - Tag 6


    Ich sitze in der Tinte.
    Aber sowas von.
    Bis Oberkante Unterlippe.
    Dabei hat alles ganz harmlos begonnen. Mit einem Spaziergang durch eher leere Landschaften.
    Hin und wieder eine kleine Ballerei zum Auslockern, mit dem Ergebnis, dass ich meine Munitionsvorräte ziemlich reduziert habe.
    126 Schuss für den Disruptor und 32 Patronen für das Scharfschützengewehr.
    Mehr ist nicht mehr da!
    Da erspähe ich links unter mir im Tal neben der Strasse eine Munitionsbox.
    Nichtsahnend rutsche ich den Steilhang runter, bleibe auf etwa halber Höhe an einem Felsvorsprung stehen und gucke mich durchs Zielfernrohr um. Hinter einer Geländekante erspähe ich einen Kopf.
    Wer kann da schon widerstehen?
    Ein markerschütterndes "Kawumm!" aus den Kopfhörern knutscht meine Trommelfelle.
    Der Getroffene taumelt.
    Dreht sich zu mir.
    Sprintet los.
    Gefolgt von gut einem halben Dutzend seiner Kameraden.
    Oh! Oh!
    So also sehen Volge aus!

    Das Dumme ist, dass sie zurückschiessen.
    Und zwar ziemlich wirkungsvoll!
    Drei Sekunden Trommelfeuer und dieses besorgniserregende "Piep! Piep! Piep!" ertönt.
    Sofort in die Hocke, Kopf runter! Warten bis sich der Schutzschild regeneriert hat. Dann wieder hoch, einen willkürlich erwählten Schädel ins Fadenkreuz und wieder "Kawumm!".
    Das Problem wird schnell offensichtlich: es hat kaum einen nennenswerten Effekt!
    Da unten stehen sieben oder acht Monster im Halbkreis, die ich mit meinen letzten paar Kugeln garantiert nicht unter Kontrolle bekomme. Zurück kann ich nicht, der Steilhang ist unpassierbar. Nach vorne kann ich auch nicht, denn sobald ich die Birne aus meiner Deckung strecke, werde ich mit Geschossen zugepflastert, dass es nur so prasselt ringsum.
    Nach links oder rechts scheidet auch aus.
    Alles deckungslos!
    Der einzige Vorteil: Sie können nicht zu mir rauf, weil es unter mir ebenso steil weitergeht, wie hinter mir.

    Die nächste Viertelstunde vergeht eher entmutigend.
    Kopf aus der Deckung, "Kawumm!", Feuererwiderung, "Prassel!", "Piep! Piep! Piep!", Kopf runter, Schild aufladen lassen.
    Und natülich schiesse ich auch noch in zwei Drittel der Fälle daneben vor Panik!
    Ich überlege fieberhaft, wie ich da wieder rauskomme, aber mir will einfach nichts Brauchbares einfallen.
    Und dann ... kurz bevor ich meine letzte Munition verballert habe, hat Gott Erbarmen mit mir!

    Aus östlicher Richtung donnert ein Auto herbei. Ich seh den roten Flitzer schon von Weitem kommen, wie er sich die kurvige Strasse entlangschlängelt.
    Kurz vor den Volge kollert ein Ava aus dem Gefährt und richtet sich auf.
    Er sieht aus, als wäre er aus der letzten Star Wars - Episode entlaufen.
    Und seine Rüstung harmoniert farblich exzellent mit seiner überdimensioniert wirkenden Knarre.
    Der Mann hat Geschmack, das muss man ihm lassen!

    In der nächsten Sekunde bricht ein wahres Höllenfeuer über die Volge herein, die sich erkennbar hirnträg in seine Richtung zu wenden begonnen haben. Keine Ahnung, womit der Junge da rumschiesst, aber das Ergebnis ist ein flammendes Inferno. Keine zwanzig Sekunden später kehrt unerwartete Stille ein.
    Vöglein zwitschern, Rauchwölkchen kräuseln empor, ein paar Volge-Leichen brennen noch kurz nach ... da hüpft der Knabe wieder in seinen Wagen und braust kommentarlos davon.
    Nichtmal die Beute hat er eingesammelt.
    Er ist also auch bescheiden!

    Etwas verstört aber merklich beeindruckt blicke ich dem davonbrausenden Sportflitzer hinterher, bis er im Sonnenuntergang verschwindet. Dann tippe ich rasch "THANK YOU!!!" in den Chat.
    In Grossbuchstaben!
    Mit drei Rufzeichen!
    Aber er antwortet nicht.
    Ein Gentleman geniesst und schweigt!

    Da geht er hin ... mein edler Ritter in schimmernder Rüstung.
    Mein furchtloser Held, der mich aus höchster Not in letzter Sekunde errettet hat!
    Hach!

    ...
    ...

    ???

    Herrgott!
    Defiance tut mir echt nicht gut!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  2. #22
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    Drüben auf dem Hügel - Tag 7

    Ich hatte einen richtig schlimmen Arbeitstag und komm' geladen wie 'ne Duracell nach Hause. Da kann gepflegter Ingame-Aggressionsabbau nicht schaden!
    Wo ich g'rade auf der Eisernen Dämonen Ranch erwache, noch mal schnell 'ne Runde Ex Inanis shoppen, da fühlt man sich gleich sehr viel vorbereiteter.
    Das Quad trägt mich danach in Richtung Süden, bis auf einer Hügelkuppe eine Strassensperre sichtbar wird. Aus einem Strauch heraus betrachte ich die Szenerie im Zielfernrohr.

    Das Volge-Gesocks erinnert mich doch irgendwie an Höhlentrolle aus den "Herr der Ringe"-Filmen.
    Die kommen mir gerade recht!
    Erstens bin ich heute übelst auf Krawall gebürstet und zweitens haben wir ohnehin von gestern noch 'ne Rechnung offen.
    Dann wollen wir doch den Hackfressen da oben mal in aller Höflichkeit erläutern, was so abgeht, wenn mein Ava-Girlie ihre Tage hat!
    Die weisse Rauchspur, die die Sniperwaffe zieht, endet mitten in der ersten Volge-Visage. Ein zweiter und ein dritter folgen, dann kippt das Biest nach hinten weg.
    Die Spiele sind nun hiermit offiziell eröffnet!

    Noch bevor sie halbwegs überringeln, was gerade Phase ist, hat ein zweiter Troll wegen Kopfschmerzen beschlossen, sich spontan ein bisschen hinzulegen.
    Ich glaub, ich mag die neue Sniper-Wumme, die ich gestern aufgelesen hab!
    Aber eigentlich will ich näher ran!
    Also nichts wie los in Schlangenlinien, mitten durch das aufgeflammte Gegenfeuer.

    Der Disruptor ist schon durchgeladen, als ich einen quergestellten LKW erreiche, um die Deckung auszunutzen, bis die Pfeiffen nachladen müssen. Kaum kehrt kurze Stille ein, spring ich auf und sprinte los. Um aus nächster Nähe in die Fratze eines dieser Monster abzuladen, was das Magazin so hergibt.
    Nummer Drei hat ausgespielt für heute!

    Im Gewirr der Strassensperre laufe ich chaotisch um die Hindernisse, pumpe kleine Lichter um mich und radiere Ziel um Ziel - meist von hinten kommend - ungespitzt in Grund und Boden.
    Heute läuft es wirklich prima!
    Bis mit einem Lichtblitz etwas vor mir auftaucht, das wohl gut und gerne zweimal grösser als mein Ava-Mädchen ist.
    Erst die hässlichen Gesichter dieser Höhlentroll-Verschnitte und jetzt auch noch Sauron höchstpersönlich?
    Bin ich hier in Mittelerde?

    Diese üble Kreatur hat den Vorteil, nicht zu schiessen.
    Sie schlägt eben einfach zu! Und das hat sich echt gewaschen!
    Ich bin gezwungen, Abstand einzuhalten, was nicht ganz so leicht ist, weil das Monster beamen kann. Sobald man ihn zu viel beharkt hat, ploppt er weg ins Nirgendwo, um dann ganz woanders überraschend wieder aufzutauchen.
    Meistens hinter mir!
    Wo auch sonst?

    Immer in Bewegung bleiben!
    Bloss nicht allzu lange an dem selben Fleck verharren!
    Und sobald er seine Schnauze raustreckt, reingebuttert, was sich machen lässt.

    Minutenlang tänzel ich mit dem Biest umher, ehe sein Schutzschild einknickt.
    Hoffnung keimt auf!
    Jetzt aber so richtig draufgehalten!
    Magazin um Magazin leert sich. Bald ist Ebbe in der Muni-Box.
    Dann bleibt mir nur, auf die zweite Konstellation umzuschalten. Da hab ich eine Art LMG mit vollen 500 Schuss, das mich retten könnte. Aber jetzt - in dieser Stressituation - ins Menü, dort umschalten und abwarten, bis das Inventar neu geladen ist ... das überleb ich garantiert nicht!

    Mir bleibt aber nichts Anderes übrig!
    Also weg vom Ort des Geschehens im gestreckten Galopp!
    Gerade Linie auf irgendeinen Baum zu und hoffen, dass ich schnell genug bin.

    Immer wieder piept mein Schutzschild auf, immer wieder bin ich knapp davor, abzunippeln.
    Dass ich bis hierher bestanden habe, hat mit Können gar nichts mehr zu tun.
    Das war nur verdammt viel Glück!
    Dann riskier ich's also!
    Warte zitternd, bis das LMG in meinen virtuellen Händen auftaucht.
    Krieg von hinten schon eins übergezogen.
    Und dann fahr ich herum!
    Das Fadenkreuz fokussiert genau in seine Fresse ... 174 Schuss im Dauerfeuer folgen!
    Schöne Grüsse aus dem Auenland, Du fiese Bestie!!

    Als mein Ava automatisch nachlädt, bricht das Monstrum nieder.
    "So will ich das sehen!" trällert mir mein Ego-Implantat ins Ohr.
    Und ich kann noch gar nicht glauben, was da gerade abgegangen ist.
    Hab ich ernsthaft eine Volge-Strassensperre angegriffen?
    Und erfolgreich aufgemischt?

    Tja, Sauron!
    Den Tag hast Du Dir sicher anders vorgestellt!
    Was wohl Deine Troll-Kumpane davon halten, dass Dich ein kleines Archenjäger-Mädchen im Alleingang nach Mordor heimgepustet hat?

    "Und?" fragt meine Mitbewohnerin betont süsslich. "Geht's Dir jetzt besser?"
    Sie hat die ganze Zeit hinter mir gestanden und zugesehen.
    "Jaaaa!" seufze ich erleichtert und lehne mich im Schreibtischsessel zurück.

    Und das ist kein bisschen gelogen ...!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  3. #23
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    Quote Originally Posted by DeepThought View Post

    Die nächste Viertelstunde vergeht eher entmutigend.

    Also ich hätte keine Vietelstunde gewartet
    Da gibt's das schöne Feature "Schnellreise" und *wuupp* wäre ich weg gewesen



    Dann bleibt mir nur, auf die zweite Konstellation umzuschalten. Da hab ich eine Art LMG mit vollen 500 Schuss, das mich retten könnte
    Disrupter und LMG benutzen die selbe Munition . Disrupter alle -> LMG auch alle

    Dem Volge-Viscara kann man gut ausweichen , wenn man seinen Bewegungsablauf verinnerlicht hat.
    Wenn er blau-durchsichtig wird , zur Seite springen.
    Wenn er den rechten Arm nach hinten zieht , auch ausweichen (dann kommt der schwere aber langsame Eisflammen-Angriff)
    Wenn er den Arm nach vorne macht - schneller aber "leichterer" Eisflammen-Angriff.

  4. #24
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    Ach, Schnellreise ist langweilig. Die benutze ich so gut wie nie. Sägt mir zu sehr am Realismusgefühl. Es wird erst richtig interessant, wenn man fast leergeschossen irgendwo in der Pampa sitzt und sich durchschlagen muss bis zur nächsten Munitionsbox, ohne zu wissen, wo eine steht. Ich hab's nicht eilig im Spiel. Als passionierter Modder seh ich mir die virtuellen Landschaften gern genauer an, das bringt mich auch auf neue Ideen für meine Offline-Games. Kann schon mal vorkommen, dass ich zwei, drei Stunden nur in der Hocke durchs Gemüse streife, ohne konkretes Ziel.

    Boah! Frag mich nicht, welche Knarre das genau war. Die Waffen kommen und gehen in meinem Inventar, die Namen merk ich mir nie alle. Ich hab auch schon bald aufgehört, sie zu modifizieren, weil man sowieso 'ne halbe Stunde später wieder irgendwas Besseres erbeutet. Schätze, wenn man Ego-Level 6000 erreicht hat, ist so ziemlich Ende der Fahnenstange, dann hat man wohl ein gutes Sortiment, das sich nur noch schwer toppen lässt. Aber bis dahin, hab ich den Eindruck, ist jede Waffe nur ein vorübergehendes Vergnügen.
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  5. #25
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    Immer diese faulen 6kler. Sich per Schnellreise aus der Affaire zu ziehen ist doch feige.
    Wer Ärger anfängt muss ihn auch aussitzen.

    Hab mich früher im Spiel auch oft an sowas "festgefressen". Dann wollt ich die unbedingt plattmachen, egal wie lang es dauert, egal wie oft ich drauf geh. Diese Einstellung hilft auch im PvP ungemein.
    Und ich kanns bis heute nicht leiden, wenn mir so ein kleiner Raider ungefragt in den Rücken ballert. Der muss dafür dann büßen! Ist so.

    Beim Landschaft erkunden wirst du viel entdecken können. Die Entwickler haben sich damals wirklich Mühe gegeben und erstaunlich viel Liebe ins Detail gesteckt. Ich hab mit dieser Rumstreif-Methode die 5.000 Bolter Abschüsse auf 3 Chars fertiggekriegt. Es war herrlich entspannend und stressfrei.

    Da der Disruptor ein LMG ist, wird er wohl auch deren Mun benutzen. Aber ganz ehrlich, das hat der tollen Erzählung keinen echten Abbruch getan. Den alten Hasen fällt es aber natürlich sofort auf.
    AR/LMG/SMG teilen sich leider den Munitionsvorrat.
    Wenn man im anderen Loadout aber ein LMG mit richtig großen Magazin hat (und das vor dem Spaziergang aufgefüllt wurde) kann es trotzdem hilfreich sein, selbst wenn der Vorrat schon verbrannt wurde. Kommt halt darauf an wieviel noch am Gegner dran ist.

    Ist schon richtig wie du das mit den Waffen machst.
    Kenn das von meinen kleinen Chars sehr gut, da verbau ich auch kaum mal nen Mod. Lohnt sich nicht für die Waffen und es kostet vielzuviel Archenverwertung den Slot freizuschalten und dann noch den Mod zu verbauen.
    PC/EU - Neutronenstern
    Char1: Lunia Vibes; Char2: Aymee Vibes; Char3: Taja ria; Char4: Meeka; Char5: Therelia; Char6: Ne'nani
    2050 PC/EU - Neutronenstern
    Char1: Vibes; Char2: Meeka
    PC "Ignatz":
    AMD Athlon 64 x2 4400+ - 4 Gb DDR2 - Sapphire Pulse Radeon RX 550 2Gb @ 1920x1080

  6. #26
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    Ja, das mit der vielen Mühe stimmt. Die Landschaften sind wirklich schön gemacht und eine wahre Augenweide. Hie und da entdeckt man im Gelände einen kleinen Baufehler, wie schwebende Felsen, aber das ist auch ganz normal. Wem bei so einer Arbeit keine Fehler unterlaufen würden, der wäre kein Mensch. Ich finde die Kombination aus relativ realistischen und dann wieder komplett abgefahren phantastischen Elementen ziemlich gelungen. Diese sich kringelnden Wurzeln, die übergrossen Pilze, blaues Gras, die komischen korallenartigen Dinger ... das hat schon was!
    Nur ein Manko hab ich bisher entdeckt.
    Geht man von der Eisernen Dämonen-Ranch Richtung Südwesten, erstreckt sich dort ein riesiges Areal, in dem fast gar nichts los ist. Wundert mich ein bisschen, weil man sonst auch alle paar Minuten auf ein neues Problem stösst, aber dort drin ist ausser Landschaft kaum etwas zu finden.
    Aber bisher kenne ich vielleicht ein Viertel der Karte, wenn überhaupt. Da kann noch viel kommen!
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  7. #27
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    Verkehrsunfälle - Tag 8

    Wenn mir irgendwer beim Quadfahren zusieht, muss er denken, ich hock stockbesoffen vor dem Bildschirm. Nicht nur dass ich kategorisch die gesamte Strassenbreite brauche, ich donnere bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit in irgendetwas rein.
    Am Schlimmsten enden immer die Versuche, Strassensperren zu umfahren.

    Mal springe ich über die nächste Geländekante in einen sich auftuenden Abgrund, mal bolze ich ungebremst in die Leitplanken. Dann wieder schlingere ich wüst mittendurch und bleibe garantiert genau im Zentrum des grössten Chaos an einer Betonsperre hängen.
    Das sind immer die kniffligsten Momente: Wenn man sich vom liegengebliebenen Gefährt herunterrollt und praktisch mitten zwischen allen Feinden sitzt.
    Ich habe mir schnell abgewöhnt, mit gezogener Pistole oder Scharfschützengewehr auf das Vehikel aufzusteigen, denn wenn ich wieder mitten in 'nem Rudel Raiders spektakulär verunfalle, brauch ich eine grosse Magazinkapazität und hohe Feuerkraft in den Händen. Hab ich da die falsche Waffe in den Fingern, ist es aus mit mir!
    Ich bin nicht nur einmal wegen dieser Tolpatschigkeit draufgegangen!

    Wenn man doch das Tempo besser regulieren könnte, ich würde wohl mit der Geschwindigkeit eines Fahrradfahrers durch die Lande reisen. Aber so fahre nicht wirklich ich, sondern werde mehr oder weniger von meinem Quad mitgenommen.

    An einer Volge-Strassensperre gelingt es mir tatsächlich, das Fahrzeug so auf die Leitplanken zu setzen, dass ich mit allen vier Rädern in der Luft feststecke. Da bleibt nur schnellstens absteigen und um sein Leben rennen, während die hellen Kügelchen um mich herum zischen.

    Ein ander Mal drifte ich in voller Fahrt vom Bankett, springe über eine kleine Kuppe und segle gut und gerne 20 Meter in die Tiefe, wo ich direkt in einer Meeresbucht lande. Das Quad säuft neben mir ab, die 99ers, denen ich auszuweichen versucht habe, fächern sich oben an den Klippen auf und lassen es aus allen Rohren auf mich herabregnen, während ich verzweifelt ans gegenüberliegende Ufer zu schwimmen versuche.

    Probiere ich, einen nahegelegenen Archenfall in direkter Linie zu erreichen, ist das auch immer wieder sehenswert.
    Quer durchs Gelände zu rasen und blind darauf zu hoffen, dass man irgendwie rechtzeitig zum Ort des Geschehens gelangt, hat den unverkennbaren Charme von Russischem Roulette.
    Nur so viel: Wenn mein Ziel näher als 500 Meter liegt, renne ich inzwischen lieber!

    Solltet Ihr mal nichtsahnend irgendwo unterwegs sein und ein Quad springt plötzlich quer über die Strasse, um auf der anderen Seite zwischen Felsen oder Bäumen steckenzubleiben, in eine Schlucht zu fallen oder im Wasser zu versinken ... dann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihr mir begegnet seid.
    Und wenn weit und breit nur ein einziger Baum auf einer grünen Wiese steht, wartet einfach ein wenig davor.
    Ihr könnt Euch ziemlich sicher sein, dass ich demnächst reinbolzen werde!
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  8. #28
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    Rückzug - Tag 9

    Man ist ja bekanntlich Archenjäger von Beruf. Also jagt man den Archenfällen hinterher.
    Oder hab ich da was falsch verstanden?

    Gewisse Arten von Archenfällen veranlassen mich zwar inzwischen aufgrund recht beklagenswerter Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit zur sofortigen Flucht - wie zum Beispiel diese elenden Volge - aber wenn ich Hellbugs oder 99ers entdecke, stürze ich mich mit Begeisterung in die Schlacht. So auch an diesem verregneten Samstagmorgen, wo mir der Frühstückskaffee gleich viel besser schmeckt, wenn er vom Geknatter meiner Knarren begleitet wird.

    Ich bin irgendwo in der Nähe einer Farm angekommen, das rote Flämmchen ist noch knappe zweihundert Meter entfernt. Also sprinte ich darauf zu, kauere mich hinter einem Rindschweinkäfig (RINDSCHWEIN? What the F***???) in Deckung und beginne, die 99ers mit dem SSG ins Visier zu nehmen. Das läuft inzwischen schon recht routiniert ab und ich knalle die Typen ohne grössere Komplikationen über den Haufen.
    Mir fällt auf, dass ich ganz alleine hier bin.
    Aber erfahrungsgemäss bleibt das nicht lange so.
    Andere Archenjäger haben ja das selbe Hobby und eilen bestimmt schon herbei. Ist nur eine Zeitfrage, bis noch jemand vorbeikommt und gemeinsam ist das Thema schon viel einfacher zu handhaben.
    Dann halte ich mal brav die Stellung, bis Verstärkung eintrifft!

    Entschlossen ballere ich also auf die Feinde, die in endlosen Wellen aus dem Archenfall-Gebiet auf mich zustürmen. Mann um Mann klappt aus den Latschen, Minute um Minute verstreicht, Patrone für Patrone geht dahin, bis ich von der Sniperwaffe auf die Maschinenpistole wechseln muss. Zwar sackt man immer wieder ein paar Schuss ein, wenn ein dahingeschiedener Gegner ein Munitionshäufchen hinterlässt, aber so richtig fett macht das das Kraut jetzt nicht. Ich verballere wesentlich mehr Geschosse, als ich auf die Art wieder reinkriege. Natürlich gibt es hier auch eine Munitionskiste, aber die steht selbstverständlich mitten im Getümmel und davon bin ich viel zu weit entfernt. Die MP ist auch bald leergeschossen, also muss ich in den zweiten Loadout-Slot wechseln. Disruptor und Massenkanone sind noch voll aufmunitioniert.

    Irgendwie bin ich immer noch allein.
    Wieso kommt da niemand?

    Etwas nervös geworden beginne ich vor den gegen mich anrennenden Gegnern zurückzuweichen, werde immer weiter abgedrängt.
    Und es kommt noch immer kein anderer Spieler.
    Jetzt wird es dann langsam etwas eng!
    Wo bleibt die Kavallerie, Herrgottnochmal??
    Da fällt plötzlich der Groschen: Es ist Samstag kurz nach sechs Uhr morgens! Und ich zocke am EU-Server. Es wird wohl nicht viele andere Irre geben, die um diese Zeit nichts Besseres zu tun haben, als um ihr virtuelles Leben zu kämpfen!

    Es kommt tatsächlich niemand.
    Ich bin und bleibe völlig allein.
    Mal ziehe ich mich ein paar Meter zurück, dann sprinte ich wieder vor, denn irgendwie muss ich an den blöden Kristall rankommen, um ihn zu zerstören. Aber das sagt sich so leicht, wenn man eigentlich ununterbrochen auf herumhastende 99ers schiessen muss.

    Die Nervosität verwandelt sich in Panik.
    Hiiilfeeee!
    Ist da jemand?
    Kann mich bitte irgendwer unterstützen kommen?
    300 Millionen Europäer und ich bin der einzige mit Schlafstörungen??

    Es ist hoffnungslos!
    Mir bleibt nur, mich aufs Quad zu schwingen und den Rückzug anzutreten.
    Nichteinmal die Beute einsammeln kann ich noch, weil ich mich durch das ständige Zurückweichen natürlich immer weiter davon entfernt habe.
    Eine mörderische Ballerei und alles für die Katz!

    In sicherer Entfernug halte ich auf einem Hügel und verschnaufe erstmal.
    Nirgendwo ist eine Muni-Box zu entdecken.
    Ein halbes Magazin für den Disruptor und drei Schuss für die Massenkanone.
    Das ist alles, was ich noch dabeihab.
    Dann mache ich mich wohl besser in Richtung der nächsten Strasse davon.
    Irgendwo wird schon ein Munitions-Container stehen.

    Da plötzlich ploppt oben mittig auf dem Bildschirm ein Schriftzug auf.
    "Erledige den Monarch!" steht da geschrieben.
    Und der verdammte Mistkäfer trabt schon wild entschlossen auf mich zu.

    Heute ist wohl echt nicht so mein Tag ...!
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  9. #29
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    Uuuuaaaahhhh! - Immer noch Tag 9

    Ego-Level 596.
    Archenbruch.
    Volge.
    Irgendwo in einem Raumschiff.
    Missionsname: Einbruch und Diebstahl.
    74 Abschüsse.
    21 Tode.
    Schon wieder völlig allein da drin.
    Mit SSG und MP.

    ABSOLUT nicht mein Tag heute!
    Heilige Katzenkacke!!!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

  10. #30
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    Teamwork - Tag 10

    Durch das Zielfernrohr betrachte ich interessiert das Geschehen unter mir. In diesem bebauten Gelände scheint ein heftiges Gefecht zu toben. Und wenn ich das richtig beurteile, sitzt der Junge auf dem Dach da oben ziemlich in der Klemme. Wild ballert er mit seiner Scharfschützenwaffe um sich, während immer mehr 99ers einen regelrechten Belagerungsring um ihn ziehen.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, bin ich gerade in seine Mission reingestolpert. Drei rautenförmige Kästchen oben in der Bildschirmmitte sind aufgetaucht, davon ist eines bereits ausgefüllt. Drei Computerterminals sind anzusteuern, einen davon hat er geschafft, dann hat er sich festgefahren. Wie er schliesslich auf das Dach gekommen ist, versteh ich nicht ganz, aber dass er von da oben kaum noch runterkommt, ohne übelst aufgemischt zu werden, ist offensichtlich.
    Cool!
    Jetzt kann ich mal den edlen Retter spielen!

    Wild entschlossen schlittere ich den Abhang runter, springe über den Zaun und gehe in Deckung. Erst vor ein paar Minuten hab ich eine Maschinenpistole aufgegabelt, die satte 55 Schuss im Magazin hat. Das ist genau die Waffe, die ich jetzt brauche. Und das Baby muss ohnehin einem ordentlichen Praxistest unterzogen werden.
    "Stay on this roof!" tippe ich in den Chat.
    "ok" schreibt er zurück.
    Dann stürme ich los.
    Weil ich von hinten in das Gelände eingedrungen bin, tauche ich genau im Rücken seiner Gegner auf.
    Und damit beginnt das sagenhafteste Feuergefecht meiner bisherigen Archenjäger-Karriere.

    Der Junge auf dem Dach hat die Lage voll gecheckt. Zielsicher knipst er genau die schweren Gegner mit herrlich präzisen Kopfschüssen aus. Ich sprinte währenddessen um das Gebäude herum und kämpfe mit der MP die leichteren Feinde nieder. Wir arbeiten zusammen, als hätten wir noch nie was Anderes getan.
    Während ich die beiden anderen Computer ansteuere, hält er mir vom Dach aus den Rücken frei. Immer wenn ich kurz nach oben blicke, sehe ich den Lauf seiner Waffe genau in meine Richtung ragen. Wenn er bemerkt, dass ich nachladen muss, feuert er gekonnt auf jene Feinde, die mir gefährlich nahe kommen.
    Mann, wir sind echt ein tolles Team!

    Die Mission geht damit weiter, dass ich auf einen Turm klettern und einen Funkspruch absetzen muss.
    Kaum ist das geschehen, tauchen plötzlich jede Menge Raiders auf.
    Zusätzlich kommen Echelon-Söldner durch das Tor gestürmt, die drei Bomben entschärfen sollen.
    Jetzt nimmt die Sache erst so richtig Fahrt auf.

    Diese verdammten Gnome mit ihren Schilden und den abgesägten Schrotflinten machen mich ganz krank! Ich hab noch immer nicht herausgefunden, wie man die am wirksamsten bekämpft. Aber mit meinem Sniper auf dem Dach sind auch die ein Klacks. Ich muss nur darauf achten, dass sie ihm den Rücken zuwenden, wenn sie auf mich losgehen. Dann pustet mein Teamkollege sie einfach von hinten weg. Zwischendurch nietet er die Raketenwerfer-Raiders um, die ringsum in erhöhten Positionen aufgetaucht sind. Noch bevor die so richtig auf mich anlegen können, haben sie schon eine Kugel aus seiner Scharfschützenwaffe abbekommen.
    Ich muss lächeln!
    Wenn wir uns das abgemacht hätten, würde es auch nicht reibungsloser laufen können.

    Als das Missionsfenster aufklappt und die Sache erledigt ist, bin ich fast ein bisschen enttäuscht.
    Das hat gerade richtig Spass gemacht!
    "Awesome teamwork! Thank you!" schreibe ich ihm noch.
    "Thank you too." tippt er zurück.
    Dann schwingt er sich vom Dach herab, springt auf sein Quad und braust davon.

    Was für ein gelungener Sonntagmorgen!
    21 ist nur die halbe Wahrheit!

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